Freitag, 23. Juni 2017

DJ Khaled Rihanna Bryson Tiller:
Wild Thoughts

Mit Wild Thoughts beweist DJ Khaled, dass er ein bisschen mehr drauf hat als Hampelmannmusik zu machen und sich im Social Web als debiler Serienstar zu vermarkten. Wild Thoughts verknüpft musikalisch tatsächlich ein paar Elemente, die im Zusammenspiel etwas ergeben, was ich zumindest nicht völlig in die Ecke Beliebigkeitsbrei stecken würde. Auch wenn die Zutaten nun wahrlich nicht völlig überraschend sind.

Es beginnt mit einem simplen und coolen Beat, der sehr schnell mit einer lateinamerikanischen Gitarrenmelodie ergänzt wird. Rihanna singt, ein paar Streicher setzen ein und als Refrain gibt es einen Gitarrenriff von Santana, der uns im Sommer 2000 begleitete. Da DJ Khaled an dieser Stelle verzichtet noch mehr Zutaten in den Topf zu packen – na gut, er darf sich eins-zweimal in guter alter Rap-Manier selbst preisen – ist der Song insgesamt doch ganz cool. Da lässt sich in heißen Nächten schonmal ein bisschen der Dancefloor bemühen. Allemal ist diese Variante karibischen Flairs spannender als der 101. Aufwasch von Luis Fonsi.



Zu lange Lobeshymnen verbieten sich allerdings, denn wenn ich mir das Video und Artwork zu der Single betrachte, dann fühle ich mich schon ordentlich in die 2000er zurück versetzt. Dekorationswahn und Luxusdemonstration wird hier in Höchstform zelebriert. Söhnchen Asahd wird königlich inszeniert. Warum eigentlich?
Ist es wirklich geil, wie ein arabischer Scheich zu leben? Und was daran genau ist so attraktiv?

Einmal mehr erwische ich mich dabei, wie ich realisiere, dass es eine ganze Menge Menschen gibt, die durch Armut und dadurch resultierende Unwissenheit einfach abgehängt sind. Als benachteiligter Mensch – aus welchen Gründen auch immer – ist mir schnell egal, was andere vor mir schon geschaffen haben, was andere denken und wie es gehen könnte, dass mehr Menschen auf der Welt ihr Glück finden. Wenn ich mein Leben lang kämpfen musste um akzeptiert zu werden oder überhaupt zu überleben, dann ist das Ziel eben vor allem mein eigenes Wohlbefinden. Und das der nächsten Familie natürlich. Moral, ethisches Bewusstsein, Rücksicht – fuck off!

Und da sich mittlerweile doch einige Menschen auf diese Art hocharbeiten konnten – soll heißen: sich Villa, Pool und schnelles Cabrio leisten können – darum gibt es in der Zwischenzeit auch eine Schicht in der Gesellschaft, die von den immer schon Privilegierten zwar überhaupt nicht akzeptiert werden, von den weiterhin Ausgegrenzten aber reliquienhaft verehrt werden. Und in dieser Schicht gelten besondere Regeln. Zum Beispiel, dass es eben cool ist, seinen erkämpften Status zu zelebrieren. Undauch: Die Regeln, die es einem doch überhaupt erst so schwer gemacht haben, auf gar keinen Fall zu ändern, sondern in besonderer Konsequenz und Arroganz aufrecht zu erhalten und mitzuspielen.

So etwas geht mir also durch den Kopf, als ich Bryson Tiller rappen höre – da habe ich noch nicht ein Wort von dem wirklich wahrgenommen, was er da von sich gibt. Und wahrscheinlich tue ich ihm unrecht mit meinen Vorurteilen. Gleichzeitig weiß ich, dass ihm das ziemlich egal ist, was so ein Volltrottel denkt. So wie es DJ Khaled vermutlich auch völlig egal ist, ob ich seine Musik mag oder nicht. – Wobei ... der ist vielleicht nicht drauf angewiesen, was ich als Einzelner denke, aber sobald eine größere Menge von Konsumenten kein Interesse mehr an seinem Lebensstil zeigt, wird es ihn schmerzen. Denn das was er wirklich braucht zum Überleben ist Aufmerksamkeit. Ich denke, er wird diese noch eine ganze Weile erhalten.