Freitag, 17. Februar 2017

ST∆RLEY: C∆ll On Me



Deephouse rules the world. – Weiterhin. Sogar aus Brasilien kommen jetzt Produktionen im Tuckerbeat-Gewand und platzieren sich in den hiesigen Autoradiodauerschleifen. Und so ist es überhaupt nicht verwunderlich, wenn eine australische Liedermacherin einen Hit in Europa landet, der vor allem durch den Mix eines australischen DJs besonders populär wurde. So geschehen mit C∆ll On Me aufgenommen von ST∆RLEY und mit einem fluffigen Remix versehen von Ryan Riback.

Ebenfalls nicht ganz verwunderlich: Der Remix ist um einiges überzeugender als das Original. Obwohl das im Falle von Starley gar nicht so sehr auf der Hand lag. Von der sehr weit verbreiteten, nostalgisch-romantischen Weinerlichkeit der Liedermacherzunft ist sie dann doch ein ganzes Stück entfernt. Und traut sich sogar den Flirt von Pop-Elementen. Das kann man im Original von Call On Me ganz schön erleben – die Hookline zwischen den Strophen könnte ganz gut auch aus einer Produktion von DJ Snake stammen.



Trotzdem bleibe ich nach dem Hören des Songs irgendwie reichlich unberührt. Vielleicht ist das Ganze doch zu allerweltsmäßig produziert. Eingängig und lauschig – und sofort wieder vergessen.
Vielleicht ist es auch die Akustik-Gitarre, die immer wieder auftaucht und mich völlig abtötet.

Ein bisschen passt das ja auch zum Inhalt. Der will mir sagen: Die Welt ist doch ganz einfach: Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann wende dich an mich. – Lagerfeuerromantik, die ich gern glaube. Sie wiegt mich in Sicherheit, lullt mich ein: Wenn auch Gebete nicht mehr helfen, dann komm zu mir.

Was mich stört, sind diese leicht religiösen Anflüge, diese irgendwie auch im Text platzierte Passivität. Nicht: Hey, steh auf, wir suchen einen Weg! Sondern: Ruf mich, ich steh dir bei.

Eigentlich könnte der Text ja auch so gemeint sein: Gemeinsam, da finden wir einen Weg. Vertraue auf das Uns. Du musst nicht versuchen, alles allein hinzukriegen. Als Team sind wir besser ... und wenn es nur darum geht, die Verzweiflung, Trauer, Ohnmacht zu teilen und jemanden zu haben, der/die mir zuhört.

Die Herausforderung bleibt, sich nicht zu sehr darauf zu verlassen, dass immer andere für einen da sind. Ein bisschen Eigeninitiative und Aktivität muss man schon mitbringen. Denn wenn niemand mehr so richtig auf seinen eigenen Beinen stehen kann, dann hilft auch die Verklumpung im Team nicht viel.

Und wie um diese Gewissheit zu untermauern kommt der DJ Ryan Riback daher und macht aus dem leicht esoterischen Song eine Dance-Nummer mit Retro-Piano-House-Einsprengseln. Die Party kann beginnen. Und sogar Starley setzt sich eine bunte Partybrille auf und rockt den Dancefloor. Was so ein bisschen Aktion alles bewirken kann!