Freitag, 11. August 2017

Calvin Harris Ft. Pharrell Williams Katy Perry & Big Sean:
FEELS



So poplastig kann also Reggea daher kommen. Und sich dabei sogar noch einigermaßen gut anfühlen. Mir geht es jedenfalls so, dass ich ordentlich froh darüber bin nicht noch eine kifferverrauchte oder völlig verpeilte Blödelnummer auf diesem Sound hören muss. Wahrscheinlich ist das ganz schön spießig, aber ich finde in diesem Fall ziemlich super, den Nischensound rauszuzerren ans Licht, durch die Mainstream-Maschinerie zu quetschen und dann der Normalität preiszugeben. Geht natürlich einher mit jeglichem Verlust von dem, was Reggea früher früher auch mal war.

Das alles geht für mich aber klar. Vor allem auch, weil die vier Superstars gar nicht erst versuchen mir vorzumachen, dass sie jetzt besonders alternativ oder cool sind. Sie machen halt Kaugummi-Pop. In aller Konsequenz. Deshalb ist auch das Video so gnadenlos Plastik. Kunstblumen, eine Palmeninsel aus der Augsburger Puppenkiste und jede Menge schlechter Videoeffekte. Das ist derartig weg von der Masse der aktuellen Videoproduktionen, dass es fast schon anti wirkt. - Aber keine Angst: Ich kram hier nicht den Rundumschlag raus und versuche zu beweisen, dass Pop im Grunde auch subversive Züge hat.



Für Calvin Harris ist diese Produktion eher ungewöhnlich. Glücklicherweise hat er sich ja innerhalb der letzten Monate doch das eine oder andere Mal getraut, seinen altbekannten Brettersound sein zu lassen und was anderes auszuprobieren. Mit diesem Ausflug beweist er, dass er schon ein ganz gutes Gefühl für Leichtigkeit und Spaß haben kann. Pharrell Williams ist bei Feels der Prägende. Sein Gesang, sein Gespür für Funk bestimmen die Produktion. Und ich könnte mir vorstellen, dass er bei der Entstehung des Ganzen ordentlich mitgemischt hat. Schöne Kombi würd ich das mal nennen.

Big Sean dagegen bringt einen ordentlich Bruch in das Ganze. Ich weiß ja auch nicht, warum jetzt wieder überall ein Rap-Part eingefügt werden muss. Das ist ziemlich 1:1 das, was in den 1990ern auch schon Usus war. Na gut, vielleicht wäre Feels ohne diese Unterbrechung auch wirklich etwas zu langweilig. Bekanntlich machen Gegensätze eine Sache ja durchaus erstmal interessanter.

Nun läuft also Feels nach etwas Anlaufschwierigkeiten doch auf allen Servicewellen und hat auch gerade im Vereinigten Königreich die Nummer 1 erreicht. Schön, dass es neben Despacito dann doch noch einen anderen Sommerhit in diesem Jahr gibt. Der ist zwar viel mehr Kindergarten als die Testosteron-Hymne aus Puerto Rico und erreicht vermutlich genau deshalb doch eine ganze Menge Menschen weniger. Aber auch das muss man sich ja erstmal leisten können: Auf Marktanteile verzichten, weil man eben nicht die brezdämlichsten Klischees wiederholt.

Und zu guter Letzt schreib ich auch das noch (obwohl das ja total verpöhnt ist bei Beschreibungen von Musik): Feels macht ganz gute Laune. Wenn man sich drauf einlässt.