Freitag, 21. April 2017

Clean Bandit Feat. Zara Larsson: Symphony

In der überbordenden Fülle der Videos und Clips gibt es nicht so viel, was einen dann wirklich berührt. Kurz gelacht und dann weggeklickt – so geht das eher. Dass dann ausgerechnet so ein Filmchen wie das zu Symphony von Clean Bandit im Kopf hängen bleibt, ist irgendwie schon schräg. Denn der Clip bietet keine spektakulären Tricks oder technischen Rafinessen, auch keine witzige oder überraschende Pointe. Alles was bei Symphony geboten wird ist eine emotionale, anrührende Geschichte. Ein Verkehrsunfall, eine auseinandergerissene Liebe, ein tragischer Verlust.

Da haben mich also die Clean Bandits an meiner weichen und sensiblen Seite erwischt. Wahrscheinlich auch deshalb, weil der Verlust und der Tod dann doch eher selten eine Rolle im Popgeschäft spielen. Höchstens als blutiges Beiwerk in Splatter- oder Thriller-Adaptionen. Selbst die eher dunklen und verzweifelten Videos wie etwa zu Faded zelebrieren zwar eine ordentliche Traurigkeit, Leere und Kälte, der Tod spielt aber höchstens indirekt eine Rolle. In der Abwesenheit von eigentlich allem.

Bei Symphony ist das anders. Da sehe ich die glücklichen Zeiten und erlebe umso eindringlicher die Leerstelle. Ein bisschen ist das natürlich auch Soap-Klischee. Vielleicht find ich es genau deshalb seltsam, dass es dann doch funktioniert.



Zu den Bildern von einem verzweifelten Mann gesellen sich dann Glöckchenklänge. Ein seltsamer Kontrast. Dann die Stimme von Zara Larsson, die eine Geschichte erzählt von der Bereicherung, die sie durch einen anderen erfährt. Plötzlich ist alles, was vorher war irgendwie weniger wert, blass, langweilig. Und alles was sich Zara Larsson wünscht ist, Teil der Herrlichkeit des anderen zu sein. Ja ja, so pathetisch ist tatsächlich die Wortwahl: I just wanna be part of your symphony. Und dann schwingt sich auch die Instrumentierung hinauf zum ganz großen Bombast.

Das ist vielleicht der Punkt, den man diesem Song vorwerfen kann: Er hat überhaupt keine Angst vor richtig viel Pathos und Schmalz. Na gut, Popsongs sind zum Teil ja auch dafür gemacht. Immerhin schafft es Symphony in den Strophen dann doch immer wieder, sehr viel cooler und reduzierter zu werden. Ein flockiger Housebeat, der aber schon nach kurzer Zeit wieder unterbrochen wird. Man könnte diesen dramaturgischen Wechsel auch klassisch nennen. Die alten Techniken funktionieren also auch bei der Generation 2010+.

Deshalb sind die Bilder und die Inszenierung vermutlich auch genau das: klassisch. Zara Larsson zieht ein Paillettenkleid an und steht als Diva im Orchester, die Cellistin von Clean Bandit lässt sich als unnahbare Statue inszenieren und die beiden Jungs stecken sich in klassische Anzüge. Ein bisschen ärgert mich diese unmoderne Haltung. Aber das ist ja schon immer mein Problem mit Clean Bandit und also muss ich darauf nicht weiter rumreiten.

Umso erstaunlicher finde ich, dass die drei es schon bei ihrem letzten Hit Rockabye schafften, mich zu überzeugen. Und auch bei Symphony bin ich gnädig gestimmt und finde: Kann man durchaus so machen. Auch wenn der Titel sicher nicht zu meinen großen Favoriten zählt, hebt er sich von der breiten Masse der aktuellen Pop-Produktionen wohltuend ab. Das ist in Zeiten der zahlreich angewandten Fertigpopmischungen tatsächlich schon eine Leistung.