Sonntag, 7. Oktober 2012

Lena: Stardust

Was wird eigentlich aus einer jungen Frau, nachdem sie erfolgreich für den Eurovision Song Contest gecastet wurde?
Im besten Fall wird sie tatsächlich ein Popstar. Kommt zwar nur selten vor, aber gerade augenblicklich können wir genau das erleben. Nein – ich schreibe hier nicht über Loreen und ihr sagenhaft einfältiges, aber unglaublich oft verkauftes Euphoria. Bis diese Dame endgültig den Popstarhimmel erreicht ,braucht es noch ein wenig mehr. Dagegen scheint Lena, vor drei Jahren als Teilnehmerin aus Deutschland ins Rennen geschickt und mit Sieg heimgekehrt, nunmehr endgültig im Musikbusiness etabliert zu sein. Zumindest veröffentlicht sie gerade ihr drittes Album und die Verkaufszahlen des vorweg kursierenden Titelsongs Stardust lassen vermuten, dass auch dieses wie die Vorgängeralben massiv Zuspruch finden wird.

Das ist irgendwie uch seltsam, denn erstmal klingt Stardust gar nicht so sehr wie ein durchschlagender Ohrwurm. Wohlwollend beschrieben, ist es eher eine Melodie, die sich irgendwann unterschwellig festsetzt. Der eher naive Ohoo-oho-Refrain leistet da seinen Teil zuverlässig. Ein wenig ist das ja auch der Stil von Lena. Satellite war ein munteres Pop-Liedchen, das auch sehr von der kindlichen Naivität frischen Verliebtseins lebt. Stardust geht hier noch einen Schritt weiter. Das ist völlig verträumt, auf eine Art ordentlich verspielt und (zumindest im Text) mit reichlich Stardust-Glitzer bestreut.



Das Faszinierende an Lena ist für mich der Spagat zwischen Teenie-Naivität und Ernsthaftigkeit. Dass eine Anfang 20-jährige keine tief philosophischen Lebensweisheiten interpretiert, ist irgendwie normal und völlig in Ordnung. Dass diese Lieder dann trotzdem ziemlich seriös klingen und sogar ein älteres Publikum begeistern können, ist da schon sehr viel ungewöhnlicher. Vielleicht will Lena dem erwachsenen Musikkäufer ein Stückchen Unbeschwertheit mit auf den Weg geben. Ohne die Welt gleich verbessern zu wollen. Harmloser Alltagspop also. Der auch irgendwie funktioniert. Denn vermutlich hat sich jeder schon einmal dabei erwischt, wie er oder sie leise mitsummt.

An dieser Stelle mag man kritisch anmerken: Ist das nicht auch schlimm? Musik, die alles rosa einpudert und gehörig ablenkt von den wichtigen Dingen auf der Welt? – Mag sein. Dennoch braucht es wohl auch diese Momente, in denen es nicht nur um Auseinandersetzung mit dem Hier und Heute geht. In denen auch mal alles vergessen und einfach geträumt werden darf. Wenn nicht das komplette Leben so verläuft.

Bei Lena weiss ich noch nicht, wie sehr sie sich auch mit Themen auseinandersetzt, die mehr beschreiben als ein Verliebtsein oder die Hoffnung auf Sternenstaub. Vielleicht ist sie auch (noch) das Mädchen, das einfach nur singen möchte. Momentan sieht es ein bisschen danach aus. Dem aktuellen wikipedia-Tratsch ist zum Beispiel gerade zu entnehmen, dass sie die neue Aufnahme der Sesamstraßen-Titelmelodie singen darf. Sicher eine große Ehre, allemal eine wunderbare Geschichte innerhalb der Popwelt. Ob damit Heranwachsende für Musik interessiert werden können, die nicht komplett synthetisch ist, weiß ich nicht. Es wäre schön. Dann hätte Lena mit ihren Liedern ja doch schon etwas mehr erreicht als nur Ablenkung vom Alltagsärger.





Kommentare:

  1. Nur eine Ergänzung: Wer sich näher mit Lena beschäftigt, weiß, dass sie sich durchaus auch mit tiefgründigeren Themen auseinandersetzt und für ihr Alter schon ziemlich viel Lebensweisheit demonstriert (z.B.in Interviews). Es wird aber wohl noch etwas dauern, bis sich das auch stärker in ihren Alben widerspiegelt. Das Potential dazu hat sie. Ich gebe dem Autor aber Recht, dass Lena diesen Anspruch für ihre Musik (noch) nicht erhebt, sondern erstmal nur "ihren" persönlichen Musikstil sucht. Dafür steht ihr drittes Album, deren Texte und Melodien im Gegensatz zu denen der beiden ersten Alben weitgehend aus ihrer eigenen Feder stammen.

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  2. Dem Artikel und dem Kommentar ist nichts mehr hinzu zu fügen!

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