Sonntag, 4. November 2012

Robbie Williams: Candy



Es war schon ein bisschen hysterisch, was da so im Vorfeld des Robbie Williams-Albums Take The Crown zu lesen war. Ja ja – der Herr Williams gehört schon zu den aktivsten und auch erfolgreichsten Stars der letzten 15 Jahre. Und – was wesentlich bemerkenswerter ist – er ist wohl auch einer der wandlungsfähigsten. Vom Boygroup Bad Boy über den seriösen Swing-Unterhalter bis hin zum fast schon elektronischen Avatar hat er uns schon einiges geboten. Insofern ist die Neugierde auf das Kommende natürlich verständlich.

Und dann beschenkt er die Welt mit Candy: Kinderkaugummipop in rosa. Irgendwie auch enttäuschend. Seltsam durchschnittlich und unerwartet unspektakulär. Anders hätte er es vor 10 oder 15 Jahren auch nicht gemacht. Das ist das eigentlich Verwunderliche. Robbie Williams weigert sich einfach älter zu werden. Gut, das kennen wir von Madonna ja bereits zur Genüge. Allerdings würde ich Robbie Williams mit seinen fast 40 Jahren und dem Riesensack von Erfahrung im schillernden Pop-Business etwas mehr als alltagskompatibles Radiogedudel schon zutrauen. Stößt hier das Konzept Mainstream-Star doch an seine Grenzen? Ist das der Weisheit letzter Schluss: Experimente sind ganz schön, aber am Ende zählen nur die Hits? Kann ein Superstar irgendwann nicht mehr anders als nur noch darauf zu schauen, dass die breite Masse ja nicht verschreckt wird? War der Schock über den etwas weniger großen kommerziellen Erfolg des Albums Reality Killed The Video Star tatsächlich so groß? (Auch Rudebox drei Jahre zuvor war ja verglichen mit seinen großen Veröffentlichungen eher mäßig erfolgreich.) Oder ist es der Wechsel zu UNIVERSAL, der auch heißt – nicht anecken und bloß keine unberechenbaren Ideen?




Naja, Robbie Williams rennt immer noch im rosa Anzug durch die Straßen von London und macht sich mit Heiligenschein zum Klassenclown. Das muss man sich auch erstmal trauen und dann ohne Imageverlust durchziehen. Faxen machen und Grimassen schneiden kann er also gut. Die Entscheidung, der Komiker unter den Superstars zu sein, ist wahrscheinlich sogar ziemlich bewusst getroffen. Vermutlich hat ja Marc-Uwe Kling recht, wenn er sein Känguruh verkünden lässt: „Die einzigen Kategorien, die heute etwas zählen, sind „Witzig“ und „Nicht Witzig“.“ Irgendwie find ich’s trotzdem schade – und vor allem auf Dauer auch ermüdend. Ich guck mir jedenfalls keinen der Tausenden TV-Komiker mit seinen ach so erfolgreichen Shows an. Dabei müsste ich höchstens heulen.

Und so jagt also Robbie Williams der ein bisschen zu sehr von sich überzeugten Kaya Scodelario nach, macht ihr den Weg frei und lässt sich mehr als einmal verhauen oder mit Möbelstücken bewerfen. Ein bisschen genervt ist er schon – aber was soll’s, am Ende findet er die kleine Tussi ja doch bezaubernd. Das ist letztendlich dann auch das Problem des Immer-Witzig-Seins: Die schlimm Angepassten können einfach weiter machen wie sie wollen und man selber holt sich höchstens eine Menge blauer Flecken. Ändern tut sich aber gar nichts – höchstens vergisst man am Ende noch, wie man seine Zeit hätte auch besser verbringen können.




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