Freitag, 8. Februar 2013

Macklemore & Ryan Lewis feat. Wanz: Thrift Shop



Es kommt viel zu selten vor, dass einem ein Track begegnet, bei dem es von Anfang an zündet und der auch nach drei Monaten immer noch infektiös ist. Und wenn dieser Song dann auch noch einen Inhalt hat, der über das allgemeine Gepose oder Gejammere hinaus geht, dann ist das nahezu schon das Ultimative, was zu erreichen ist. Im Fall von Thrift Shop gesellt sich zu all dem aber noch so etwas wie eine kleine Sensation – oder besser: Revolution. Macklemore & Ryan Lewis haben sich nämlich ganz konsequent dafür entschieden, auf die Vermarktung durch ein großes Label zu verzichten. Und sind mittlerweile trotzdem zu so etwas wie Stars geworden. Und das ist das Besondere und Unglaubliche an den beiden, ihrem Hit Thrift Shop und ihrem Album The Heist. Es verkauft sich wie blöde, es wird in den Charts ganz oben notiert (aktuell war Thrift Shop in sieben Ländern als Nr.1-Hit gelistet) und das, obwohl es nur durch Eigenvertrieb erhältlich ist. Die allermeisten anderen Künstler und Künstlerinnen haben sich spätestens bei steigender Nachfrage dafür entschieden, doch mit einem Major zusammenzugehen um möglichst viele Einheiten unter die Menschen zu bringen. Oder um fett beworben zu werden. Oder was immer die Gründe waren. Und die großen Label, die hatten natürlich ihre Freude dran: wenig Arbeit beim Aufbau der Künstler und Künstlerinnen, nahezu keine Investitionen in die Entwicklung, aber die Möglichkeit, mit dem Verkauf von CDs Gewinn abzuschöpfen.

Mit dem Internet und vor allem mit der Möglichkeit Musik vor allem digital zu vertreiben, werden diese Labels mehr und mehr überflüssig. Oder besser: sie hätten eine andere Aufgabe, die sie aber nur in den wenigsten Fällen wahrnehmen. Musik verkauft sich mittlerweile völlig unabhängig von einem großen Marktführer. CRO und Macklemore machen es vor (und natürlich eine ganze Reihe anderer Artists auch – nur nicht ganz so medial umschwärmt). Sie verzichten auf dicke Bewerbung in TV-Shows oder durch Werbespots, sie vertrauen darauf, dass sich gute Tracks dann doch irgendwann durchsetzen, und es ist ihnen prinzipiell egal, wenn es mal nicht der Top 10 Hit ist. Und das macht sie sympathisch, authentisch und gut – denn das ist Musik bei der es um etwas geht. Um Geschichten oder um wirkliche Unterhaltung. In jedem Fall um Leben statt um synthetischen Konsum. So ist es dann auch kein Zufall, dass ausgerechnet Thrift Shop die Hymne zum Antikonsum ist. Da wird der Spaß gefeiert, den Einkaufen und Shoppen tatsächlich macht. Aber da wird auch ganz deutlich gesagt: den Spaß kannst du auch für 99 Cent haben. Im Second Hand Laden nämlich. Gutes muss nämlich nicht zwangsläufig unendlich teuer sein. Oder auch: was viel kostet ist noch lange nicht immer gut. - Und weil dieser Spaß keine Ersatzhandlung ist, sondern weil es ganz ernst gemeint ist, genau deshalb ist der sich daraus entwickelnde Stil obendrein noch richtig cool. Geschmack kann man nicht kaufen. Und Stil hat vor allem auch was mit Selbstbewusstsein zu tun.



Ich wünsche mir wirklich, dass sich diese Bewegung noch ein bisschen weiter verbreitet. Auch wenn ich Angst habe, dass mit der Masse auch der Thrift Shop Style unerträglich und schlimm wird. Weil leere Oberfläche. Bis sich eine Masse mal traut, dem sich bereits zu Tode drehenden Konsumwirtschaftssystem einfach mal den Stinkefinger zu zeigen und das Einkaufen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, bis dahin wird's wohl noch einige Jahrzehnte dauern - wenn es überhaupt dazu kommt.

Letzte Anmerkung an dieser Stelle: Ärgerlich, um nicht zu sagen idiotisch, ist die Tatsache, dass die GEMA mal wieder das Video auf der offiziellen youtube-Plattform von Ryan Lewis hat sperren lassen. 87 Mio Klicks weltweit – außer in Deutschland. Mir wäre das als Einrichtung echt peinlich. - Naja, die großen Labels müssen es lernen, dass sie nicht mehr allein im Zoo sind – die GEMA wirds irgendwann auch schnallen müssen. Gibt ja bereits die ersten Initiativen, die sich für ein anderes Verwertungssystem einsetzen. Da arbeitet die GEMA also grad fleißig an ihrer Selbstabschaffung.








Kommentare:

  1. Guter Artikel!!
    Bin hier ganz zufällig über Google gelandet, schöner Schreibstil!

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  2. Hallo bin hier auch ganz zufällig raufgekommen durch einen ganz anderen Suchbegriff bei google und diese seite war ganz oben.
    Trotz das es nicht das ist was ich wollte ein sehr guter Artikel

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