Freitag, 18. Oktober 2013

James Blunt: Bonfire Heart

Ich werde es wohl nicht mehr verstehen, was alle Welt an James Blunt findet. Genauso wenig wie ich verstehe, warum ausgerechnet Passenger (oder auch Marlon Roudette) den Soundtrack zu den 2010ern liefern sollen. Das hat natürlich ganz individuelle Gründe. Zum Beispiel finde ich die Stimme von James Blunt einfach nicht schön. Das kann und muss jede und jeder natürlich selbst empfinden.

Das was eher bedenklich ist ohne all das persönliche Trallalla, ist die Bildwelt zu dem Song, der ja zunächst als eine schöne Liebeserklärung daherkommt. Es sei dahin gestellt, dass diese Motorrad-Road-Story nur für eine gewisse Gruppe von Menschen das Non plus Ultra darstellt – geschenkt! Auch die Nummer mit Freude durch ein gemeinsames Foto, für ältere Menschen genauso wie für Kinder im Rollstuhl – alle sind meine Freunde ... für meine Begriffe ganz schön fett nach außen gezeigt , aber was soll’s, ist im Prinzip ein schöner Ansatz. Dass sich James Blunt hier so dezidiert als der Heilsbringer inszenieren muss ... er wird wissen warum sein Ego das nötig hat.
Wirklich fragwürdig wird es für mich zum Ende des Videos: Lagerfeuertanzen bei einer Hochzeit in Wild West-Kostümen. Das ist jetzt schon ordentlich traditionsbewusst. Wenn ich diese Cowboyhüte sehe, dann denke ich selten an ein modernes Leben. Das ist immer noch: der Mann gegen die Natur! Das ist auch immer noch – eingewanderte Europäer besiedeln ein Land und nehmen keine Rücksicht auf dort bereits lebende indigene Völker. Und wenn man sich die feiernde Runde im Video anschaut, dann ist die tatsächlich ordentlich weiß nordamerikanisch (oder europäisch). Hmm – so weit ist es dann also nicht her mit der Geschichtsbewältigung. Oder der gelebten Vielfalt.



Ja ja ich weiß, die sind doch alle ganz harmlos. Die wollen doch nur feiern. Eben – genau das ist der Punkt. Eigentlich sind es – wie ein Großteil der Gesellschaft – nur Menschen, die ein wenig Freude haben wollen. Nichts gegen einzuwenden. Aber leider tun sie das mit einem ziemlichen Allgemeingültigkeitsanspruch. Wenn ich mal auf solchen Festen bin – und leider kommt das dann doch immer wieder und viel zu häufig vor – dann dauert es nicht lange und ich werde aufgefordert mit herumzuhüpfen. Aber nun stehe ich gar nicht auf handgemachte Musik. Auch Country ist mir eher unangenehm. Es ist völlig in Ordnung wenn alle tanzen und feiern, ich trinke da lieber noch einen Schnaps und schau mir die Menge an. Das heißt ja nicht, dass ich mich dabei nicht wohl fühlen würde. Aber: Nee nee, das geht nicht, mach mal mit – alter Spielverderber!

Und das sind dann eben eher unangenehme Seiten an solchen Festen. Man gibt sich betont frei und unkompliziert, aber in Wirklichkeit gibt es feste Regeln, was Feiern ist und was nicht. Und da hört es eben auch auf, lustig oder ungefährlich zu sein. Eine andere Meinung wird einfach nicht akzeptiert. Wo Hochzeit oder Geburtstag drauf steht, da muss auch Polonaise, Wunderkerzen und Blumenstraußwerfen drin sein.

Und genau das höre ich plötzlich auch im Text: James Blunt erklärt mir, wie es geht glücklich zu sein. Ultimativ. Jemandem lange in die Augen sehen, oder Sterne angucken, loyal wie ein Soldat sein – bis zum Tod ... dann kann man die kalte Welt überwinden, dann kann man jemanden finden, der/die mit einem kleinen Fünkchen ein Feuer im Herzen entfacht. Und dann erlebt man die Liebe, wie sie James Blunt sie gerade erlebt. Und die ist ja ohnehin die größte von allen.

Nein – ich möchte niemandem dieses Gefühl kaputt machen. Es ist schön, wenn Menschen sich genau so fühlen, eine große Liebe erleben. Schlimm wird es nur, wenn Sie allen anderen auch noch permanent zeigen und erklären müssen wie viel Glück und Liebe sie empfinden. Und wie arm demzufolge alle anderen sind, die das nicht hingekriegt haben. Die kleinen Trottel, die. – Da möchte ich dann doch lieber draußen bleiben und nicht mit einbezogen werden in dieses unbändige Glücksfest. Ich geh dann mal einfach auf eine andere Party.




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