Freitag, 4. Juli 2014

Jason Derulo Featuring Snoop Dogg: Wiggle


Schade, dass Jason Derulo so ein oberflächlicher Mensch und selbstverliebter Macho ist. Er wäre ansonsten ein hoffnungsvoller Anwärter, um der nächste große Popstar zu werden. So steht er sich mit seiner Eitelkeit doch recht oft im Weg, lässt sich instrumentalisieren von Musikmanagern und Imageberatern und weiß zu wenig, was er denn nun eigentlich will, außer berühmt sein und gut aussehen. Was heraus kommt sind nicht selten biedere bis peinliche Songs, wie etwa die letzten beiden Singles von seinem Album Tattoos/Talk Dirty: Marry Me und Trumpets. Unsäglich einfältig, um nicht zu sagen hirnlos. Da verwechselt der arme Tropf tatsächlich sexuelle Erfüllung mit dem Wunsch das Leben gemeinsam zu meistern, das Klischee Hochzeit als die große Erfüllung ausgerechnet von einem erfüllt, der sich permanent als der überpotente Frauenbeglücker inszeniert. Da lässt der gleiche Künstler körperliche Lust mit Trompetensounds bebildern, das Ganze soll auch ein bisschen lustig sein, aber bitte: Bläsersätze und Falsettgesang – das klingt nach einem bräsig-biederen Opernbesuch, nicht unbedingt nach einer wirklich geilen Nacht.

Das könnte der knapp 25-Jährige eigentlich alles auch mitkriegen. Offenbar ist er ja ein Typ der gern feiert, der das Leben genießt, der Spaß am Sex hat – aber irgendwas ist da ordentlich schief gelaufen, dass er sich immer wieder so verrennt oder fernsehserienmäßig inszenieren lässt.

Manchmal, da passiert Jason Derulo dann aber wirklich ein Glücksgriff. Dann kommt so etwas raus, wie derzeit Wiggle. Diese Single besticht vor allem durch die Reduzierung auf ein paar Beats, die gepfiffene Hookline, eine Strophenbegleitung zwischen Unkenrufen und rituellem Flötenspiel und ein paar ins Absurde wiederholte “Wiggle”-Aufnahmen. Das Ganze wurde schön konsequent im Trap-Stil von HipHop-Produzent Ricky Reed umgesetzt, der ja schon mit Talk Dirty ein gutes Gespür für infektiöse Coolness bewiesen hat. Etwas peinlich bleibt lediglich das auf massentauglich und fußballeuphorisch gemachte Intro, auf das ich gut und gerne verzichten könnte, das aber dann innerhalb des Tracks doch noch mal ausgepackt wird.

Und cool ist der Song tatsächlich nur, wenn man so gar nichts von dem versteht, was die beiden Typen da von sich geben (an der Seite von Jason Derulo Altrecke Snoop Dogg der scheinbar schon wieder genug vom Lion-Reggea hat). Und wenn man das Video dazu – schön stylish in Szene gesetzt – nicht zu genau anschaut. Es ist nämlich insgesamt schon ordentlich lächerlich, die Macho-Träume von Jason Derulo so direkt und ungefiltert präsentiert zu bekommen. Er – der unglaublich geile Typ – liegt im Bett umrahmt von einer Menge Frauen, die natürlich nur danach lechzen mit ihm zu schlafen, koste es was es wolle. Und die durch ihr Booty Shaking dem armen Typen völlig den Vertsand rauben.

Nun kenne ich keine einzige Frau, die Jason Derulo wirklich toll findet. Also ok, seinen Körper vielleicht, da haben die Medien ja schon einiges an Stereotypen etabliert: Durchtrainiert, glattrasiert, korrekter Haarschnitt, tanzen kann er auch, obwohl er eigentlich gar keinen richtigen Arsch hat … oops, das darf man über einen coolen Macho-Star ja gar nicht denken. Denn das was Jason Derulo immer und stets klarstellt: Er ist hier der Boss. Er bestimmt, was geil ist und was nicht. Muskulöser und tätowierter Oberkörper ja – auf dem Slip steht dann aber schon: No Public Access. Na gut, wenn eine Poolparty mit 30 Frauen noch als privat gilt …

Aber sei ihm die Hoheit über seine Genitalien gegönnt. Schade, dass er dasselbe Recht nicht anderen zugesteht. Denn immer ist es Jason Derulo, der die Frauen runter von der Tanzfläche holt und raus aus ihrem Leben. Er muss nicht mal fragen, ob sie all das gern machen oder ob sie so einen wie ihn überhaupt geil finden. Er geht davon aus, dass eine fette Goldkette und ein Cadillac Anreiz genug sind um sofort alles stehen und liegen zu lassen und mit ihm vor den Altar zu gehen. (Da ist sie wieder diese äußerst naive Annahme, dass die Ehe das Ziel jeder Zweisamkeit sei.) Geld soll ja so manches möglich machen.

Nun kennt man natürlich die Geschichten von Frauen, die sich einen reichen Typen angeln und dann auch so einiges dafür aushalten. Vielleicht hat man sogar in real die eine oder andere Bekanntschaft gemacht, die genau so funktioniert. Allerdings waren die Frauen meist schlau genug, den Spieß in diesen Situationen ganz schnell rumzudrehen und den meist nicht sehr geilen Macker ordentlich für jeden seiner triefenden Wünsche blechen zu lassen. Poolparties und Gruppensex gehören da eher nicht dazu. Und ein Paar Schuhe als Geschenk reicht bei Weitem nicht aus um tagtägliche Erniedrigung wettzumachen.

Das ist natürlich nichts, was Jason Derulo wissen will, geschweige denn reflektiert. Er präsentiert lediglich die geifernden Wunschträume von eher minder bemittelten Männern. Und weil er das ohne Umschweife ausspricht, auch ohne Rücksicht auf Andere, darum wird er bewundert. Vermutlich aber eher von den coolen Kerlen, die gern so offensiv und frech wären wie er, sich das aber nie eingestehen würden. Wie gesagt: Frauen, die ernsthaft auf Jason Derulo stehen, hab ich bislang noch nicht getroffen. Und die jungen Mädchen zwischn 10 und 14, die auf seine Musik abfahren sind hoffentlich klug genug um zu kapieren, dass Frauen nicht nur auf der Welt sind um sich von Männern rumkriegen zu lassen.

Tja –nun haben wir also die Hymne auf den sexy Arsch einer (oder mehrerer) Frauen, es sollte eigentlich ein echtes Loblied, ein Kompliment werden. Aber alles was draus geworden ist, ist Selbstbefriedigung und Selbstverleibtheit, die am Ende auch noch mit lebenslangem Treue-Gefängnis droht. Denn wenn so ein Schwanz wie Jason Derulo so richtig in Fahrt kommt, dann hat er sofort die Tendenz seine Beute möglichst für immer als sein Revier abzustecken. Ist aber selbstredend, das der Schwanz sich gleich mehrere solcher Gespielinnen zulegen darf. Diese dann aber nicht mehrere Schwänze.

Klingt nach einer sexy Gesellschaftsvision, oder?

Also genieße ich lieber die Instrumentalversion (auch wenn da wirklich was Wesentliches fehlt) und freue mich, dass Jason Derulo außerhalb seines kleinen Universums tatsächlich bedeutungslos ist.







Kommentare:

  1. Richtig so!
    Gute Kritik! Ich selbst mochte das Lied "Wiggle" eigentlich aufgrund
    der eingängigen Pfeifmelodie. Als ich jedoch den Songtext gelesen habe, ist mir erlich gesagt die Spucke weggeblieben. So was geht echt nicht! Der Autor hat das gut erfasst und beschrieben. Großes Lob!

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    1. Ein bisschen verlegen, aber auch erfreut: Danke für das Lob!

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