Samstag, 4. Mai 2013

Imagine Dragons: Radioactive

Wieviel Teddybär verträgt eigentlich ein anständiger Rocksong? Diese Frage hat sich vor dem Video zu Radioactive von den Imagine Dragons nicht gestellt. Jetzt plötzlich schaffen es aber die Jungs aus Las Vegas genau das zu thematisieren. Und ich frage mich: Warum eigentlich?

Sicher, Imagine Dragons haben sich wohl nie wirklich an Linkin Park orientiert – eher an The Killers. Irgendwie aber war auch das für meine Begriffe eher halbherzig. It’s Time, ihr erster Erfolg in Deutschland, war zumindest derartig weichgespült … Radiostationen liebten den Song und dudelten ihn hoch und runter. Mit Independent (was sich Imagine Dragons ja ganz gern auf die Jacke kleben) war da nicht mehr so wahnsinnig viel. Da schwappte schon eine ordentliche Portion von Soße à la OneRepublic mit herüber.

Für das Videospiel Assassin’s Creed III durfte es glücklicherweise etwas härter und kaputter sein. Brachte dann auch in den meisten europäischen Ländern und in den USA gute Punkte und machte die Band überhaupt erst bekannt. Mit Radioactive hatten sie einen Song aufgenommen, bei dem ich gern noch ein wenig darüber nachgedacht hätte, ob das jetzt die Fortsetzung sein könnte von verzweifelter oder wütender Musik, die beschreibt, wie verrückt und vielleicht auch kaputt das Leben und die Welt heutzutage sein können. Ja – ich war schon dabei, den Song zu mögen. Selbst, dass er alles in allem doch auch ordentlich eingängig ist, passte für mich. Schließlich sind die Märchen von den harten und gnadenlosen Rockern im Jahr 2013 auch schon ordentlich abgenutzt und albern.

Dann kam dieser unsägliche Videoclip mit Kuscheltierkämpfen und dem Sieg der Guten und Ausgenutzten über den fiesen, raffgierigen Monstermensch. Dank der künstlerisch hochwertigen Animation eine komplette Kindergeschichte.



Und so war sie weg, die mühsam erarbeitete Coolness, die Rafinesse mit der es ganz logisch schien, nicht Underground sein zu müssen. All die Blogeinträge und Konzertreviews, mit welchem sich die Jungs als toughe Band präsentieren, sehen nun aus wie eine langweilige Werbeaktion. Die Zielgruppe muss erreicht und gefüttert werden. Und die Zielgruppe ist dann eben doch noch ganz schön kindisch. Nicht 18 oder 19 und auf dem Weg die Welt zu erobern – nicht mal 16 und in jugendlich kraftvoller Auflehnung. Die Zielgruppe ist offenbar 13 und jünger. Auf jeden Fall hat sie noch was mit Teddybären am Hut und findet diese so süß und wichtig, dass sie gerettet werden müssen.

Wir dürfen also den Imagine Dragons dankbar dafür sein, dass sie uns gezeigt haben, wie berechnend und korrumpierbar auch die Stilrichtung Independent Rock ist. Sie führen uns vor, dass all das Geschwafel von Revolution und Auflehnung der völlige Humbug ist. Jedes Stückchen unseres Lebens ist schon vorgeplant und von Marktanalysen durchgerechnet worden.

An dieser Stelle wirds dann aber doch noch mal spannend. Denn Radioactive gehört auch in eine Reihe mit Titeln wie Thrift Shop, Can’t Hold Us oder Ho Hey, die es ohne dicke Single-Vermarktungs-Maschine zu globalen Hits geschafft haben. Die zum Teil nicht mal als reguläres Single-Bundle. In den ganz großen Downloadportalen ist beispielsweise auch Radioactive lediglich als Albumtitel zu bekommen. Die gewohnte Single-Edit sucht man vergeblich.

Da scheinen sich also die großen Labels mehr und mehr aus der Aufgabe verabschieden zu können, die Rosinen aus den Alben ihrer Acts zu picken und anzupreisen. Sie können sich zurücklehnen und schauen, was sich ergibt – vielleicht ein bisschen mehr investieren in die Platzierung von Titeln als Background für Film, Werbung und Computergame. Und dann läuft der Laden schon. Mal sehen, ob sie bereit sind, diese Unsicherheit auch wirklich auf Dauer auszuhalten.



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