Freitag, 31. März 2017

Jason Derulo Feat. Nicki Minaj & Ty Dolla $ign:
Swalla



Dass Jason Derulo ein elender Macho ist, der sich gern zweideutig und explizit äußert, das ist bekannt. Dass dieser Derulo recht häufig ziemlich geile Produzenten an sich binden kann, ist auch nichts Neues. Auch Swalla geht vor allem ab, weil Produzent Ricky Reed hier seine Finger im Spiel hatte. Kein Wunder, dass sich der Track genauso durchsetzt wie vor dreivier Jahren Wiggle und Talk Dirty. Auch die Tatsache, dass sich Derulo noch so einen richtigen Nasty-Rapper an die Seite holt, ist keine Überraschung. Für Swalla darf Ty Dolla $ign ans Mik.

Bekannte Ingredentien, bekannter Sound - das Ding ist ein infektiöser Hit, der in die Beine geht, ins Ohr - und gleichzeitig alles dafür tut, um mir den fröhlich-unbeschwerten Genuss zu verderben. Das ist sexistische Macho-Mucke vom Feinsten. Funktioniert dadurch natürlich nicht weniger gut – schreibt nur einmal mehr die beschissensten Klischees tief ins Unterbewusste.



Zum Glück ergänzt am Ende Nicki Minaj noch ein paar Zeilen. So richtig weiß man bei ihr ja nie: Ist das jetzt tatsächlich subversiv oder nur die totale Anbiederung. Im Fall von Swalla kann man auf alle Fälle eins sagen: Die Lady nimmt den beiden Jungs ganz gehörig die Butter vom Brot. Dreckiger als jeder Gangster, selbstbewusster als alle Superstars zusammen und ja, in diesem Fall auch sehr viel feministischer unterwegs. Lass die Typen ruhig stolz auf ihre Bananen sein, uns lässt das kalt, denn wir können den Macho-Kram allemal besser.

Das ist ganz hübsch zum Abschluss des Songs und stellt die beiden Rap-Stars sogar ein bisschen als Trottel dar. Hilft aber nur bedingt, denn die Tänzerinnen im Video sind da wesentlich devoter unterwegs.

Was heißt das nun, wenn so ein Track auf Hitkurs ist? Erstmal: Die besten Platzierungen fährt Swalla in Deutschland ein – also dort, wo man jetzt mit Straßen-Englisch vielleicht nicht so vertraut ist. Hier stehen der Sound und die Bilder für sich. Deutschland frönt da also sehr sehr dem testosterongeschwängerten Hype. Kerle, die sich Frauen halten können wie andere Leute Hamster – das kommt an. Dass Frauen auch cool sein können – interessiert nicht.

In Großbritannien reicht es für den Song bis zu Platz 43. Danach setzt der Ed Sheeran-Effekt ein und als dieser abebbt, geht es auch nur bis knapp über Position 60. Ich vermute, dass das auch etwas mit den Lyrics zu tun hat. Zu explizit? Zu dreckig? Zu feministisch?

In den USA schafft es Swalla einen Monat nach Veröffentlichung gerade mal auf Platz 98. Kann sich noch ändern, erzählt aber auch schon einiges. Drake beispielsweise schafft es sofort nach Veröffentlichung seines Albums gleich mit zwei Singles parallel in die Top 10. Es geht also einen Start auf den Punkt hinzulegen.
Aber in einem Land, in dem jetzt offiziell alles behauptet werden kann, und die entsprechend lauten Gegenproteste nicht auf sich warten lassen, in so einem Umfeld zählen Grenzüberschreitungen und Provokationen nicht mehr viel. Wurde alles schon gesagt. Langweilig. Next!
Und das gilt für beide Seiten. Ob also Jason Derulo oder Nicki Minaj – beide müssen sich für diesen Markt eventuell irgendwas anderes einfallen lassen um aufzufallen. Oder auswandern. Spannend, wie schnell Politik Gesellschaft und Kultur beeinflussen kann.

Aber vielleicht ist auch alles gleich wieder ganz anders. Ich beobachte weiter. Und hör derweil ein paar coole Produktionen von Ricky Reed.

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