Donnerstag, 3. November 2011

Aura Dione: Geronimo


Vor zwei Jahren tauchte Aura Dione wie aus dem Nichts mit ihrer Single I Will Love You Monday (365) auf und stürmte in aller Ohren. Das war einigermaßen überraschend und hatte ganz sicher auch was mit dem anstehenden Jahreswechsel und ihrem Auftritt in diversen Jahresendshows zu tun. Dann kam im Frühjahr 2010 noch ein Nachfolgehit – Song For Sophie I Hope She Flies -– der besonders von den Radiostationen geliebt wurde und sich so ebenfalls eine ganz anständige Zeit etablieren konnte. Danach war es dann mehr oder weniger ruhig und im Grunde habe ich Aura Dione schon in eine Kiste gelegt, die da beschriftet ist „One Hit Wonder und Ähnliches“. Das war natürlich dumm von mir. Denn beinahe genauso überraschend wie vor zwei Jahren ist Aura Dione wieder da mit einem neuen Hit.

Geronimo läuft schon eine Weile im Radio – hierzulande gibt es die On Air On Sale-Regelung nicht, da setzen die Musikfirmen doch lieber auf Promotion um dann mit Veröffentlichung der CD ordentlich chartmäßig zuschlagen zu können. Im Falle von Geronimo ist die Rechnung auch absolut aufgegangen – trotzdem bleibt dieser Riesenerfolg auch für eingefleischte Marktbeobachter ein wenig überraschend. Ja, die Radioeinsätze sind wunderbar (von 14 auf 6 steigend) – aber es gibt nicht einmal ein Video. Das heisst, es gibt schon ein Video, nur ist dieses immer noch gesperrt. Eine zutiefst seltsame Taktik, die sich nur damit erklären lässt, dass UNIVERSAL tatsächlich der Meinung ist, veröffentlichte Musikvideos schadeten dem Verkauf. Schon auch sehr eigenartig, oder?

Nun – Radioeinsatz und gezieltes Marketing im Sinne von möglichst wenig Material zusätzlich streuen sind sicher ein gewichtiger Grund für den schnellen Erfolg. Ein anderer dürfte die eigentliche Produktion sein. Im Werbetextlein zum Titel wird fleißig damit geprahlt, dass das neue Album von David Jost und Rick Nowels produziert wurde. Das ist natürlich sehr schön, aber was bedeutet das eigentlich genau? Zum Beispiel, dass Aura Dione gar nicht mehr so richtig nach etwas Eigenem klingt – je nach Produzent ist sie mal die Pop-Queen und mal die authentische Liedermacherin. Anhand von Geronimo wird das ziemlich deutlich. Es fängt nämlich an mit „Gi-Gi-Hi-Gio-Gio-Hu-La-La-Let’s Go Geronimo“ – und im ersten Augenblick denke ich: Huch, ist das die neue Lady Gaga-Single. Einen Moment bleibt dieser Eindruck auch, dann wird es etwas rhythmischer und ich höre da so einen Kehlschlag, den ich aber absolut schon von Shakira kenne. So klingt dann auch ein Großteil des Refrains.

Alles nicht schlimm – aber eben doch auch schade. Denn auch wenn ich I Will Love You Mondays (365) nicht so wahnsinnig überzeugend fand, immerhin war es doch sehr sehr eigen und eben Aura Dione. Beim neuen Hit weiß ich nicht so genau, wer das da eigentlich wirklich singt. Das bringt natürlich eine Menge Erfolg. Lady Gaga und Shakira sind ja nun auch nicht gerade unbeschriebene Blätterm – eher das genaue Gegenteil, das sind zwei der erfolgreichsten Pop-Diven der letzten Jahre. Da lohnt es sich schon mal ein klein wenig auf die Rezepte zu schielen. Heraus kommt dann eine Mixtur, die ordentlich Menschen zum Kaufen bewegt.

Jost & Damien Radio Mix von Geronimo


Ich kann an dieser Stelle aber auch ein paar gute Sachen an der neuen Aura Dione finden. Zum einen ist ihr Album bei weitem vielfältiger und da findet sich schon auch der eine oder andere Song, an dem sich so etwas wie ein eigener Stil, eine eigene Interpretationsweise festmachen lässt. Und dann ist Aura Dione auch nicht ganz so laut wie beispielsweise Lady Gaga – hier ließe sich also vortrefflich über den Unterschied amerikanischer und europäischer Produktionen philosophieren. Sind Europäer tatsächlich etwas feinsinniger?

Aura Dione – gern von ihrem Label als Superstar vermarktet – scheint auf dem besten Wege, tatsächlich einer zu werden. Immerhin ist sie erst die zweite dänische Künstlerin, die zwei Nummer 1 Hits in Deutschland verbuchen kann. Das gelang vor ihr lediglich Gitte Haenning vor ungefähr 50 Jahren.



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