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Freitag, 5. Juli 2019

Shawn Mendes & Camila Cabello:
Señorita



Hit mit Ansage. Wenn Shawn Mendes und Camila Cabello gemeinsam ins Studio geschickt werden, dann muss da ein Hit rauskommen. Das war vor vier Jahren noch anders. Da durfte I Know What You Did Last Summer noch unter "ferner liefen" dahin dümpeln. Mittlerweile sind beide erste Pop-Liga - da geht es gar nicht, wenn nicht mindestens ein Sommerhit rausspringt.

Und so kommt Señorita dann auch daher: ein luftig flockiger Popsong, der mich wahrscheinlich mit Vorsatz an Havana erinnert. Zu dieser Schmonzette kann ich wunderbar meinen Sommerdrink genießen und mir schöne Menschen anschauen, wie sie wahlweise balzen oder turteln. Und wenn alles gut läuft, dann finde ich mich ganz schnell in einer ähnlichen Situation wieder. Besoffen vom Urlaubssound und dem schlüpfrig-lasziven Gesang der beiden.

Ja, hier geht es schon einigermaßen explizit zu. Wobei die wirklich expliziten Sentenzen mit einem ooh lalala quasi weggepiepst werden. Das ist im heutigen Parental-Advisory-Must-Zeitalter fast schon sensationell, dass sich jemand die wirklich ausgesprochenen Bilder einfach spart und an die Fantasie appelliert. Denk' Dir Deinen Teil selbst!

Kann man natürlich alles auch spießig finden. Oder wahlweise auch verführerisch. Je nachdem, was ich mir so als erregend vorstelle, kann ich dem Song was abgewinnen oder finde ihn eben nur öde serviceradiotauglich.

Das Video zumindest schippert ganz schön offensichtlich in seichten Gewässern umher. Ich weiß gar nicht genau an welchen Erotik-Streifen mich der erinnern soll. Die Bildsprache sag in jedem Fall: es bleibt immer alles gleich. Und das ist ein bisschen das Langweilige daran. Doch schon 1.000 x gesehen. Da muss ich schon großer Fan von Camila oder Shawn sein, um hier voll aufzugehen.



Froh sein kann man vielleicht, dass es dieses Jahr bis jetzt noch keinen von diesen unsäglichen Macarena- oder Dumpfbeat-Remix-Sommerhit gibt. Kann alles noch kommen. Da bleib ich dann doch lieber bei Señorita.


Freitag, 19. Mai 2017

Shawn Mendes: There's Nothing Holdin' Me Back

Ok – Shawn Mendes gehört nun also zu den Superpopstars dazu. Gleich hinter seinem Landskollegen Justin Bieber. There's Nothing Holdin' Me Back ist der vierte Hit innerhalb von anderthalb Jahren – der dritte, der es unter die ersten 10 in Deutschland schafft. Und ja, irgendwie ist das sogar etwas mehr als der normale Teenie-Pop.

Klar, seine Jugend und sein makelloses Aussehen spielt bei der Vermarktung eine nicht zu geringe Rolle. Da können die kleinen Mädchen schwärmen. Aber neben diesem oberflächlichen Image schafft es der Sänger tatsächlich seinen Songs auch eine persönliche Note zu geben. Zumindest entdecke ich nach seinen bisherigen Veröffentlichungen so etwas wie einen Stil: Als Grundgerüst steht da meist ein akustischer Song, der gut und gern auch als Stimme-und-Gitarre-Version funktioniert. Dann schmeißt sich Shawn Mendes jedesmal mit viel Inbrunst rein. Ja, hier wird schon einigermaßen verzweifelt gelitten. Das ist alles nicht besonders lustig. Und der Sänger scheint schon einiges an traurigen Erfahrungen gemacht zu haben.

Damit ist er um einiges eigener und glaubhafter als Justin Bieber. Und könnte sogar ganz gut in der Nähe von Ed Sheeran verortet werden. Wobei sich der mit der Mehrzahl der Titel auf seinem Album : (Divide) ja ganz schön ins Melancholie-Jammertal katapultiert hat. Nur die Highlights gehen da als Popsongs durch. Das macht Shawn Mendes dann doch konsequenter. Hier geht es bei aller Nabelschau immer auch um Gefälligkeit. Shawn Mendes schreibt und singt seine Songs nicht für sich als Selbsttherapie, sondern weil er andere damit erreichen will. Möglichst viele.

Das kann man natürlich auch doof finden. Wie aber schon oben festgestellt – irgendwie kriegt er es ganz gut hin, auf dem schmalen Grat zur belanglosen Massenware entlang zu balancieren.

Das was mich ein bisschen nervt, ist dann aber doch die recht große Ähnlichkeit zwischen seinen Hits. Ob nun Stitches oder Treat You Better oder There's Nothing Holdin' Me Back – es braucht einige Repeat-Schleifen, um die Songs wirklich zu unterscheiden. In den 80ern und 90ern gab es mal die Mode, aus den Hits von Acts Megamixe zusammenzuzimmern und diese nochmal neu zu releasen. Bei Shawn Mendes ginge das vermutlich sehr einfach und der entstehende Song würde klingen, als sei es schon immer einer gewesen.

Ich warte also mal noch ein bisschen ab, was da in nächster Zeit noch von dem jungen Star kommt, ehe ich mich entscheide, wie kreativ ich Shawn Mendes finde.

Freitag, 12. August 2016

Shawn Mendes: Treat You Better




Kürzlich in einem recht mondänen Hotel beim Frühstück. Es läuft Treat You Better im Radio.

* Ich hätte gar nicht gedacht, dass das so ein Hit wird.
* Naja, es ist halt der aktuelle Teenie-Star…
* Aber das ist doch so ein langsames und romantisches Lied.
* Später wird das dann schon noch etwas fulminanter.
* Ja, du hast recht. – Aber eigentlich ist das doch auch nichts anderes als Schlager. Das würde sogar meine Mutter gut finden.
* Weiß nicht ... Pop – ja. Aber Schlager ...?
* Du hast recht, die kitschigen ABBA-Melodien fehlen...
* Ich find ja auch, das ist viel zu sehr gebrochen. Das ist schon voll Kitsch – aber schwups, ist da auch ein Break und ein Rhythmus, der mich völlig wieder aus dem Gefühl rausreißt.
* Es bleibt aber ohne Überraschungen. Langweilig.


Freitag, 1. Januar 2016

Shawn Mendes: Stitches

Und noch ein kanadischer Teenie, der die Mädchen in Verzückung versetzt. Sein Name: Shawn Mendes.

Einmal mehr ist es die Legende vom Internet-Star, der seine Coverversionen auf diversen Plattformen veröffentlicht, so eine Fangemeinde findet und schließlich seine eigenen Songs erfolgreich vertreiben kann. Der Traum schlechthin in der digital vernetzten Welt. Und da sich ja nun schon eine ganze Reihe von Acts so etablieren konnten, reißen die hochgeladenen Aufnahmen und Videos auch nicht ab. Weshalb besonders beliebte Melodien irgendwie schon Allgemeingut geworden sind, ehe man sie auch nur im Original zu Gehör bekam.

Etwa so ist es auch bei Stitches, dem Titel, mit welchem Shawn Mendes es gerade in der westlichen Welt zu ordentlichen Umsatzzahlen bringt. Kelly Marie aus Ohio hat genauso ihre Version hochgeladen wie Åke Knudson aus Jonköping. Mit etwas Glück erwischt man tatsächlich auch eine Version, die etwas Eigenes hat und sich angenehm von der Vorlage abhebt, eine neue Farbe hinzufügt und so vielleicht wirklich im Ohr hängen bleibt. Bei Alessia Cara und ihrem Portishead-Remake Here war das gerade vor wenigen Wochen ganz eindrucksvoll zu erleben. Bei Shawn Mendes ist mir dagegen noch kein Cover mit eigener Seele untergekommen.

Ich weiß nicht, ob das an der einmaligen Interpretation des jungen Kanadiers liegt. Oder tatsächlich lediglich an der Uninspiriertheit der Karaoke-Liebhaber*innen. Zumindest hat der 17-jährige stimmlich schon einigen Charakter mehr vorzuweisen als sein Vorgänger Justin Bieber (gut, der hat ja auch noch viel früher angefangen mit dem Singen als Idol).
Das passt dann ganz gut zu dem Text über Verletzungen und Gefühlsschmerz, den Shawn Mendes tatsächlich so singt, als hätte er ihn selbst geschrieben.

Dazu passend eine reduzierte Instrumentierung mit Akustik-Gitarre, Rhythmus-Claps und ein bisschen Background-Chor als Boden oder Gerüst. Was mich dann aber doch irritiert ist die sehr funkige Rhythmus-Orientierung. Kriege ich mit dieser fast schon tanzbaren Nummer meine Narben besser zum Heilen? Ist das der Tanz der Verzweiflung?
Oder sind wir hier Zeuge einer starken Zuversicht: auch wenn es jetzt so scheint, als würde ich ohne dich nicht leben können - ich werde es überleben, es gibt Erste Hilfe für das Herz und auch die tiefste Wunde kann heilen.

Da würden die Bilder aus dem Video ganz gut passen: auch wenn mich ein Schlag zu Boden streckt, ich stehe doch wieder auf.

Oder ist es sogar noch anders: Ich feiere, dass ich dich gefunden habe, auch wenn ich weiß, dass es früher oder später zu Ende gehen wird. Irgendwo gibt es auch dafür ein Pflaster.

Wow - das wäre mal ein souveräner und sehr eigener Zugang. Vielleicht fast schon zu abgeklärt, vielleicht auch ziemlich nahe dran am Superheroismus, der ja auch nicht nur toll ist. Aber irgendwie würde mir das schon gefallen. Klingt nämlich enorm zeitgemäß – und lässt trotzdem genügend Raum die superromantischen Momente zu genießen.

Also lasse ich mich von der flauschig-eingängigen Melodie einnehmen und bin gar nicht böse drüber, wenn diese uns in den nächsten Wochen immer wieder begleiten wird. Ein Popsong für das Jahr 2016.



PS: Natürlich weiß ich, dass der Erfolg von Teenie-Stars sehr oft nicht unbedingt was mit dem interpretierten Songmaterial zu tn hat. An dieser Stelle bin ich aber definitiv raus – ich frag mal in unserer Kindergruppe nach, was so toll an Shawn Mendes ist :-)