Freitag, 24. Mai 2019

Samra & Capital Bra:
Wieder Lila

Und noch eine Kollaboration zwischen Samra und Capital Bra. Und immer noch das selbe Schema. Mit der Nuance, dass es hier nicht nur um die Feindschaft zur staatlichen Ordnung geht sondern auch gegen Familienclans ... na, wer da nicht sofort schnallt, welche Personen gemeint sind.

Das Eindrucksvollste an dieser Produktion ist vielleicht das Cover. So sehen sich die beiden also. Liebe Gesichter und die Knarre im Anschlag. Hinten der Stoff in großen Ballen.



Davon rappen die beiden dann auch. Was sie nicht alles für Freiheiten haben als gesetzlose Dealer. Und natürlich die lila Scheine - die flattern nur so durch die Strophen.

Wenn also jemand wie ein Dealer tickt, dann ist sein Leben gefährlich, schnell, ohne Geldsorgen ... und am Ende kann man den guten Stoff sogar selbst genießen. Schöne Träume - an die so manche nur zu gern glauben. Ein Leben ohne Geldsorgen, schnell verdient und immer schnell. Geil.
Ich muss hier nicht erzählen, was die mir bekannten Dealer nach ein paar Jahren im Geschäft tatsächlich für Existenzen waren.

Die deutschen Kids träumen gern von dieser Freiheit ohne Regeln. Verständlich, das Leben ist so vollgepfropft mit Verboten und Erwartungen. Schön wär's, so sinn- und haltlos sein Leben feiern zu können wie es Samra und Capi vormachen. Und wenn einem schon der Mut nicht dazu reicht, diesen Schritt wirklich zu tun, dann wenigstens doch diesen Sound feiern. Ein Hauch von Unabhängigkeit.

In Echt ist das Dealerleben dann wirklich kein Zuckerschlecken. Das ist harter Marktkampf und vor allem ziemlich eiskalte Berechnung. Das kriegt jetzt auch nicht jeder so ohne Weiteres hin. Vor allem sind die Plätze jetzt nicht unbedingt einfach frei wie Handwerkerlehrstellen - da muss man sich schon ordentlich reindrängeln. Das kostet richtig Kraft und Ausdauer. Und Eier brauch man dafür auch. Deshalb sind also alle, die Stoff verticken per se Helden.

Moderne Märchen. In denen Samra und Capi die Helden spielen. Oder die verkannten Prinzen.

Auffällig aber schon, dass beide - obwohl unglaublich cool - zur Untermauerung ihres Status dann doch immer und immer wieder die äußerlichen Zeichen brauchen: Knarre, schnelles Auto, teure Klamotte. Gegen wen müssen sie sich absetzen? Wem beweisen, dass sie es drauf haben? Am Ende sogar sich selbst?

Da könnte dann doch noch ein tragisches Drama draus werden. Die Märchenhelden sind in Wirklichkeit ganz unsicher, ganz kleine Jungs, die mit ihren teuren Spielsachen so tun als hätten sie Macht. Die hübsche Cover-Zeichnung verniedlicht nämlich gar nicht die Realität, sondern zeigt sie ganz ungeschminkt. Und schon ist der Bra nicht mehr der böse Ukra sondern das kleine Kuschelbärchen... auweia.


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