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Freitag, 17. April 2015

Wiz Khalifa Featuring Charlie Puth: See You Again

Habe ich in der letzten Woche noch darüber geschrieben, wie unkonventionell die Fast & Furious-Filme daher kommen, so muss ich heute ordentlich zurückrudern und doch tatsächlich die Biederkeit und Konventionalität betrachten. Grund ist der fulminante Erfolg des Abspanntitels See You Again, der doch wirklich gerade dank des Filmstarts des siebten Streifens einen Chartrekord aufgestellt hat.

Es ist dieser Song, der die Schlussszene des Films untermalt. Zwei Freunde trennen sich. Der eine wählt das wilde Leben, die Freiheit, den ständigen Kick, der andere fährt in seine Zukunft als Familienvater mit Einfamilienhaus, Garten und Pool. Wie bieder.

Auch sonst zitiert der Film erstaunlich oft spießbürgerliches Mittelmaß. Da muss ich nicht mal die bis zum Erbrechen ausgewalzten Rollenklischees zitieren, die zwar als besonders tough und aufmüpfig inszeniert sind, aber im Grunde nur das abbilden, was sich jeder Vorstadtopa in seiner Gartenlaube sabbernd als Gesellschaftsbild zusammenfantasiert. Da gibt es also wenig bis gar keine Differenz zu den gängigen Lebensentwürfen.

Und auch mit der ungebändigten Lust nach Abenteuer und Spaß ist es verhältnismäßig schnell vorbei. Alle Protagonisten sind zum Beginn der Handlung irgendwie in glücklichen Beziehungen gelandet, machen es sich auf den Kanarischen Inseln oder ähnlich hübschen Orten gemütlich und üben sich in mehr oder weniger luxuriösem Nestbau. Hauptsache immer schön an der Mainstream-Idylle der Kleinfamilie entlang. Vom einstigen testosterongeschwängerten Brunftgeschrei mit der steten Chance auf doch noch was Besseres ist kaum was übrig. "Lebe den Moment" ist offenbar doch schneller vorbei als man alt werden kann.

Richtig kitschig und sentimental wird es dann mit dem Ende des Lebens. Darsteller Paul Walker verunglückte tödlich während der Dreharbeiten, was für die Serie tatsächlich ein herber Verlust ist. Dass so ein Einschnitt nicht spurlos am Film-Team vorbei geht, ist klar. Dass es trotzdem ein Weitermachen gibt, beweist Stärke und einen guten Umgang mit dem Leben. Und auch die Verbeugung vor dem Toten, die öffentlich gezeigte Trauer ist ein starkes Zeichen. See You Again ist Paul Walker gewidmet, ohne den Fast & Furious nicht das geworden wäre, was es ist. Und genau deshalb ist es am Ende des Filmes gut und richtig platziert.



Einigermaßen erschreckend finde ich, dass ausgerechnet dieser Abschiedssong so durchschnittlich geraten ist und nun für die Filmreihe steht, die mehr als zehn Jahre lang ein genau konträres Bild zelebriert hat. Wiz Khalifa, den ich schnoddrig und dreckig kenne, der lässt sich hier gerade noch zu ein paar sentimentalen Rhymes hinreißen. Der Rest des Songs wird bestimmt durch den weinerlichen Gesang des Jüngelchen Charlie Puth (Wo haben sie den denn ausgegraben? - Idols?). Und die Instrumentierung erinnert eher an einen Schmachtfetzen von OneRepublic als an einen ordentlich fulminanten Abschied von Kerlen in der Art eines Vin Diesel.

Ist das wirklich die Art, wie die Macker der Neuzeit ihre Freunde begraben? Die Typen, welche die ganze Zeit herumprotzen, dass sie keine Angst vor dem Tod haben, die sich ständig mit Stunts und Action in Lebensgefahr begeben, die sind plötzlich zu Tränen gerührt, wenn dann doch mal einer drauf geht?
Schräge Nummer.

Ich weiß, im Jahr 2015 geht eine Menge zusammen an Dingen, die sich vor 20 oder 30 Jahren noch spinnefeind waren. Motorradrocker fahren zu Gottesdiensten in Autobahnkirchen, toughe Stuntmen und Auftragsfahrer wie Ryan Gosling in Drive sind gleichzeitig kinderliebende Fast-Familienväter. Und Vin Diesel + Freunde können eben nicht anders als pathetisch Kitschsauce verschütten, wenn es dann doch mal existenziell wird.

Dass dieser Umgang mit dem Tod einer ganz großen, weinerlichen Mehrheit gefällt, die ja sowieso ständig vor allem Angst hat und sich bedroht fühlt, das ist nicht besonders verwunderlich. Für eine eiskalte Gang mit Vorliebe für gefährlich schnelle Autos, die sich zudem unbesiegbar und gottgleich überheblich benimmt, ist es eher ein ungewolltes Eingeständnis ihrer doch endlichen Menschlichkeit.
Da hat Nicolas Winding Refn doch mehr Arsch in der Hose wenn er seine Superhelden genauso brutal wie sie leben in den (Film-)Tod schickt.


Freitag, 22. Juni 2012

MAROON 5 Feat. Wiz Khalifa: Payphone

Jetzt scheinen sich also MAROON 5 irgendwie doch noch zu einem Single-Hitlieferanten zu entwickeln. Im vergangenen Herbst war es Moves Like Jagger mit Christina Aguilera als Verstärkung. Nun ist es Payphone. Wieder mit Verstärkung, dieses Mal durch den Rapper Wiz Khalifa. Und wieder treibt es den Song zu ungeahnter Popularität.

Vielleicht sind es tatsächlich die Kollaborationen, die heutzutage einen Hit ausmachen? Zuvor waren Maroon 5 nämlich zwar keine Unbekannten, aber eher eine Band, die Alben in großen Stückzahlen absetzten. Mit den Tageshits hatten sie’s nicht so. 2004, da gab’s mal This Love, das dann auch unverdrossen zu Tode gedudelt wurde. Danach produzierten sie fleißig weiter, unbehelligt vom hysterischen Teenie-Single-Markt. Und dann erschien 2010 Hands All Over, ein Album das im Vergleich zu seinen Vorgängern nicht so richtig zünden wollte. Was immer es war, der zu bekannte Sound, die älter und träger werdende Fan-Crowd, irgendwas funktionierte nicht mehr. Und ausgerechnet von diesem Album koppelte die Band dann im letzten Jahr Moves Like Jagger aus, das alles davor Gewesene in den Schatten stellte. Es klang ja auch total anders als alles Andere zuvor von Maroon 5.

Nun steht das nächste Album an: Overexposed. Und die erste Auskopplung lässt sich wie gesagt ebenfalls sehr gut an. Obwohl der Titel für meine Begriffe weit hinter dem zurück bleibt, was Moves Like Jagger darstellte. Das ist gar nicht mehr überraschender Sound, eher sogar berechnender Pop-Rock. Ja, die Melodie ist dann irgendwann schon eingängig. Aber die Art wie Adam Levine singt erinnert wieder enorm an den romantisch leidenden Superhero mit harter Schale. Und so sieht ja auch das Video aus: spektakuläre Flucht aus einem Banküberfall, mit der angehimmelten Schönen an der Seite und dann wilde Verfolgungsjagd mit viel Polizeiaufgebot und sich überschlagenden Autos. Am Ende, der der Anfang ist, schleppt sich der geschundene Adam Levine (immer noch irgendwie heroisch-sexy aussehend) zum Telefonautomaten. Naja ...



Zur Bilderstory passt die Wahl des diesmaligen Partners: Wiz Khalifa hat sich außer mit seinem eigenen Black & Yellow im letzten Jahr mit ein paar Gastauftritten seine Sporen verdient. Zuletzt an der Seite von Snoop Dogg. Das Problem an diesen Aufnahmen war eigentlich nur, dass von dem vielversprechenden Solo-Auftritt gar nicht mehr viel übrig blieb. Das hätte dann jeweils auch ein beliebiger anderer Rapper hinlegen können. Und irgendwie ist das auch bei Payphone so. Schade!

Nun ja – Unverwechselbarkeit war offenbar ein Kriterium für Erfolg in anderen Zeiten. Mittlerweile reicht es eingängig zu sein und möglichst eben nicht zu viel aufzufallen. Die Mischung Poprock + Rap, die ist ja nun wirklich alles andere als neu. Also: macht das Autoradio an und ihr werdet Payphone hören. Bis es euch zu den Ohren wieder rauskommt.