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Freitag, 20. Juli 2012

Gusttavo Lima: Balada (Tchê tcherere tchê tchê)

Brasilien-Hit Nummer 2. Und damit erübrigt sich schon jegliches weitere Wort, denn alles was zu Nooossaa! Ai Se Eu Te Pego! gesagt wurde, kann bei Balada (Tchê tchererer tchê tchê) wiederholt werden. Sogar Fußballstar Neymar ist wieder mit von der Partie. Wie langweilig. Da fällt’s mir echt schwer, die Euphorie von anderen Netzplattformen zu teilen.

Was sind die Unterschiede? Bei Gusttavo Lima gibts zwei Zeilen mehr Text. Der ist dafür noch schlimmer als der Vorgänger. Denn Gusttavo Lima muss erstmal sein Auto waschen um als echter Kerl überzeugen zu können. Scheint was dran zu sein an dem Gerede der Potenzmaschine Auto. Wenn er dann fertig damit ist, dann holt er sein Kätzchen ab – da singt er ja allen Ernstes von gata – und los geht’s zur Party.



Kann natürlich sein, dass die Fans von Gusttavo Lima sich gern als Katze bezeichnen lassen. Und der Sänger selber ist ja auch alles andere als ein realer Mensch. In seiner Gepflegtheit mit viel Haargel und Cajal stellt er eher eine total künstliche Kopie eines Mannes dar. Schade, dass diese Art Pop trotzdem ganz ordentlich prägend ist und Menschen vermittelt das Leben wäre wirklich so.

Warum Kontinentaleuropa in diesem Sommer so sehr auf brasilianischen Pop-Sound abfährt, bleibt mir ein Rätsel. Die Affinität zum Sorglos-Urlaubssound, die gibt es schon lange und schon immer irgendwie. Und damit ist das Multikulti-Ethno-Gefühl dann auch ganz positiv besetzt. Nun ja, und Tango-, Merengue- oder Zumba-Kurse erfreuen sich auch seit geraumer Zeit immer noch wachsender Beliebtheit. Positiv gedeutet ist also die Freude am Tanzen, an der Bewegung, am Körper ein wesentlicher Hintergrund für den Erfolg von südamerikanischen Rhythmen. Und das passt schon ganz gut: elektronisch durchproduziert sind die Baladas und Nooossaas! der Saison wahrhaftig nicht. Allerdings drücken sie dann doch mehr die Sehnsucht nach dem Direkten und Unverfälschten aus und haben mit dem echten Leben wenig zu tun. Pop als Flucht – durchaus ein bekanntes Motiv. Das auch prima funktioniert. Hoffentlich einfach nicht noch 100x nach dem selben Strickmuster, denn noch so einen Brasilien-Hit halt ich wahrscheinlich nicht aus.



Freitag, 13. Januar 2012

Michel Teló: Nooossaa! Ai Se Eu Te Pego!

Ein seltsamer, südamerikanischer Hit stürmt gerade Kontinentaleuropa. Und er ist vor allem deshalb populär, weil er eine direkte Verbindung zum Fußball hat. Die Rede ist von Nooosssaa! Ai Se Eu Te Pego!, das zunächst als relativ gewöhnlicher Latino-Track seine Runde machte. Eine erste Version stammt wohl aus dem Jahr 2008 – die Mischung aus Raggaton und Akkordeon machte die Melodie populär. Der sehr reduzierte Text, der sich auf wenige Zeilen beschränkt tat sein übriges.

Im Frühsommer 2011 veröffentlichte dann der brasilianische Sänger Michel Teló seine Version und landete mehr oder weniger einen Hit. Zumindest reichte es dazu, den brasilianischen Fußballspieler Neymar zu einem Tanz zu inspirieren, den er in der Umkleidekabine aufführte und der als Video seinen Weg auf youtube fand. Das dieser „Tanz“ dann Millionen von Zuschauerinnen fand, ist vermutlich eher der Popularität Neymars und der halböffentlichen Umkleidekabinensituation zuzuschreiben als den unglaublichen Tanztalenten des Fußballers. Sehr viel mehr als relativ eindeutige Hüftbewegungen beinhaltet die Choreographie nämlich nicht – genaugenommen eine sehr getreue Umsetzung des textlichen Inhaltes.

Neymar also – offensichtlich ein Frauenschwarm – bringt den Titel in einen komplett anderen Kontext und animiert andere Fußballstars, es ihm gleich zu tun. Zunächst fängt Spanien Feuer nachdem Marcelo Vieira und Cristiano Ronaldo ein Tor mit eben jenem Tanz feiern. Es dauert nicht lange und der Titel steht auf Platz 1 der spanischen Hitliste. Es folgt Italien, die Niederlande, Frankreich, die Schweiz und Deutschland. Überall gibt es den Link zum Fußballplatz.



Nun scheint auch in Deutschland die Hysterie ausgebrochen zu sein. Wäre wohl nicht verwunderlich wenn schon bald die Meldung käme, dass Ai Se Eu Te Pego die Spitze als meistverkaufter Song knackt. Was den eigentlichen Titel tatsächlich dazu befähigt , so erfolgreich zu sein,ist vermutlich die komplette Durchschnittlichkeit. Da ist der nette Junge, der ihn singt und den sich vermutlich jede Mama als Schwiegersohn wünschen würde. Die Mädels im Video jedenfalls können sich das offensichtlich sehr gut vorstellen ... naja, vielleicht reicht ihnen ja auch eine kurze Affäre. Immerhin bedient Michel Teló mit dem Titel sehr das Klischee vom übersexualisierten Südamerikaner, der auch gern mal ein Macho ist. Und ich behaupte an dieser Stelle, dass die Frauen, die diesen Song kaufen, damit erstmal kein Problem haben, bzw. sich genauso einen Kerl wünschen – zumindest für einen Augenblick.



Die Rollenbilder sind also klar und fest zementiert … aber das war von einem Fußballhit ja auch nicht anders zu erwarten.